Finanzen

Digitales Zentralbankgeld weltweit: wo es schon im Einsatz ist

Veröffentlicht im Oktober 2026

Weltweit prüfen Zentralbanken digitales Zentralbankgeld (englisch Central Bank Digital Currency, CBDC), doch nur wenige Länder haben es für die breite Bevölkerung eingeführt. Das zeigen eine Umfrage der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vom August 2025 und der CBDC-Tracker des Atlantic Council. Einige Zahlen, vor allem zu China, stammen nur aus diesem Tracker und sind im Text so gekennzeichnet. Stand: Oktober 2026.

Viel Forschung, wenige Einführungen

Von 93 befragten Zentralbanken befassten sich laut BIZ 91 Prozent mit digitalem Zentralbankgeld für Privatpersonen, für den Großkundenbereich zwischen Finanzinstituten oder für beides. Die Projekte für den Großkundenbereich sind demnach insgesamt weiter. Als wichtiges Motiv nennt die BIZ, die Rolle des Zentralbankgelds zu erhalten, während Bargeld an Bedeutung verliert. Mehr als jede dritte Zentralbank hat ihre Arbeit wegen Stablecoins und anderer Kryptowerte beschleunigt.

Der Tracker des Atlantic Council (Stand Mai 2026) zählt 146 Länder und Währungsräume, die zusammen über 98 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung stehen und CBDC untersuchen, dazu 41 Pilotprojekte. Vollständig eingeführt haben ein digitales Zentralbankgeld demnach nur drei Länder: die Bahamas, Jamaika und Nigeria. Alle drei kämpfen laut Tracker mit schleppender Nutzung und vielen technischen Problemen. Unter den G20-Staaten untersuchen nur die USA kein CBDC, die Federal Reserve Bank of New York forscht aber weiter an grenzüberschreitenden Lösungen für den Großkundenbereich.

Die Vorreiter in der Karibik und in Afrika

Am längsten dabei sind die Bahamas. Nach Angaben ihrer Zentralbank startete der Sand Dollar am 27. Dezember 2019 als Pilot auf Exuma, wurde im Februar 2020 auf Abaco ausgeweitet und am 20. Oktober 2020 landesweit eingeführt. Er ist die digitale Version des Bahama-Dollars und wird wie Bargeld von der Zentralbank über zugelassene Finanzinstitute ausgegeben. Nutzen lässt er sich per App oder mit einer Karte, die auf eine digitale Geldbörse zugreift. Zu den erklärten Zielen zählen effizientere Zahlungen und mehr finanzielle Teilhabe auf allen Inseln.

Die Zentralbank Nigerias beschreibt den eNaira als digitale Form der Naira und gesetzliches Zahlungsmittel. Die Bank of Jamaica führt ihr digitales Zentralbankgeld unter dem Namen JAM-DEX. Wann genau beide starteten, ließ sich auf den abgerufenen Seiten der Zentralbanken nicht belegen; der Beitrag nennt deshalb kein Datum.

China und Schweden gehen andere Wege

Das größte Pilotprojekt der Welt betreibt laut Atlantic Council China. Bis Dezember 2025 wurden mit dem digitalen Yuan (e-CNY) demnach mehr als 3,4 Milliarden Transaktionen im Wert von rund 16,7 Billionen Renminbi abgewickelt, etwa 2,3 Billionen US-Dollar. Im Januar 2026 stufte die chinesische Zentralbank den e-CNY laut Tracker als Einlagenverbindlichkeit ein. Das könnte eine Abkehr vom ursprünglichen Konzept als digitales Bargeld bedeuten. Diese Angaben stammen allein aus dem Tracker und wurden nicht bei der chinesischen Zentralbank überprüft. Der digitale Euro soll dagegen laut EZB nicht verzinst werden und Bargeld ergänzen.

Schweden zeigt, dass wenig Bargeld nicht automatisch zu digitalem Zentralbankgeld führt. Laut Umfrage der Reichsbank zahlten 2025 nur noch 5 Prozent der Befragten ihren letzten Einkauf im Laden bar. 2023 waren es 10 Prozent, vor 15 Jahren 40 Prozent. Eine E-Krone gibt es trotzdem nicht, über sie müsste der Reichstag entscheiden. Im März 2026 empfahl die Reichsbank, eine Untersuchung der nötigen Gesetzesänderungen einzusetzen, allerdings erst, wenn die Verordnung zum digitalen Euro beschlossen ist und die EZB die Ausgabe beschlossen hat. Sie begründet das mit geopolitischer Unsicherheit und dem Bestreben der EU, beim Zahlungsverkehr nicht ganz von außereuropäischen Anbietern abzuhängen. Die Krone dürfe gegenüber dem Euro nicht an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Eine E-Krone könnte nach Einschätzung der Reichsbank in Absprache mit der EZB sogar die Plattform des digitalen Euro nutzen.

Die Beispiele zeigen, wie verschieden die Motive sind: mehr finanzielle Teilhabe auf einem Inselstaat, der Erhalt des Zentralbankgelds bei schwindendem Bargeld, in Europa auch die Unabhängigkeit im Zahlungsverkehr. Wo digitales Zentralbankgeld schon ausgegeben wird, kommt die Nutzung laut Atlantic Council bislang nur langsam voran.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Zahlen nach den genannten Quellen, Stand siehe Datum.

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