IWF: Euroraum wächst 2026 nur um 1,1 Prozent und fällt hinter die USA zurück
Veröffentlicht im Oktober 2026
Der Euroraum wächst 2026 nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) nur um 1,1 Prozent. Das geht aus dem Weltwirtschaftsausblick hervor, den der Fonds am 13. Oktober 2026 zur Jahrestagung in Bangkok vorlegte. Zum Vergleich: Für die Weltwirtschaft sagt der IWF 3,1 Prozent voraus, für die Vereinigten Staaten 2,0 Prozent. Die 20 Länder der gemeinsamen Währung wachsen damit nur etwa halb so schnell wie die USA.
Europa bleibt zurück
Der Abstand zwischen beiden Wirtschaftsräumen ist kein Ausreißer eines einzelnen Jahres, sondern ein Muster. Die USA profitieren stärker vom Investitionsschub rund um künstliche Intelligenz, verfügen über billigere Energie und einen tieferen Kapitalmarkt. Im Euroraum bremsen dagegen hohe Energiekosten, eine schwächere Produktivität und die große Abhängigkeit vom Welthandel, die bei Zollkonflikten rasch zur Last wird. Die Industrie in der Währungsunion kommt seit Jahren kaum vom Fleck.
Die Debatte darüber ist nicht neu. Seit dem vielbeachteten Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit, den der frühere EZB-Präsident Mario Draghi 2024 vorgelegt hat, ringt die EU um Antworten auf ihren Rückstand bei Produktivität und Technologie. Der IWF stößt mit seinem Ausblick in dieselbe Kerbe: Nicht ein einzelnes schwaches Jahr ist das Problem, sondern ein strukturelles Zurückbleiben hinter den USA.
Innerhalb des Euroraums ist das Bild uneinheitlich. Deutschland, lange das Sorgenkind, holt mit einer angehobenen Prognose von 1,3 Prozent wieder auf, getragen von staatlichen Ausgabenprogrammen. Andere Mitglieder wachsen schneller, wieder andere langsamer. Wie stark die Volkswirtschaften bei Inflation und Arbeitslosigkeit auseinanderliegen, zeigt unser Überblick zum Euroraum.
Druck auf die Wirtschaftspolitik
Für die Geldpolitik ist die Schwäche ein zweischneidiges Schwert. Niedriges Wachstum dämpft den Preisdruck, lässt aber auch wenig Puffer für Rückschläge. Die Europäische Zentralbank muss abwägen, wie stark sie die Konjunktur stützt, ohne die mühsam gesenkte Inflation erneut anzufachen.
Für die Europäische Zentralbank und die Regierungen ist das schwache Wachstum ein Dauerthema. Eine Wirtschaft, die nur knapp über einem Prozent zulegt, lässt wenig Spielraum, um Schulden abzutragen oder höhere Ausgaben für Verteidigung und Klimaschutz zu finanzieren. Der Fonds mahnt daher seit Längerem Reformen an, die Investitionen und Produktivität stärken. Ob die EU den Rückstand auf die USA verkleinern kann, wird sich weniger an einem guten Quartal entscheiden als an der Frage, ob der Binnenmarkt vertieft und Kapital leichter grenzüberschreitend eingesetzt wird. Stand: Oktober 2026.
Quellen
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Zahlen nach den genannten Quellen, Stand siehe Datum.