Japan: Zinswende der Bank of Japan, mäßiges Wachstum und schwacher Yen
Veröffentlicht im Oktober 2026
Die Bank of Japan (BoJ) hat am 18. September 2026 ihren Leitzins, den unbesicherten Tagesgeldsatz, von rund 1,0 auf rund 1,25 Prozent angehoben. Der neue Satz gilt seit dem 24. September. Es ist die fünfte Erhöhung, seit die Notenbank im März 2024 ihre Negativzinsen beendet hat. Stand: Oktober 2026.
Vom Nullzins zu 1,25 Prozent
Jahrelang hielt die BoJ den Leitzins unter null und steuerte zusätzlich die Renditen langfristiger Staatsanleihen. Am 19. März 2024 gab sie beides auf und setzte den Tagesgeldsatz auf 0 bis 0,1 Prozent. Danach ging es in Viertelpunkten nach oben: am 31. Juli 2024 auf etwa 0,25 Prozent, am 24. Januar 2025 auf 0,5 Prozent, am 19. Dezember 2025 auf 0,75 Prozent und am 16. Juni 2026 auf 1,0 Prozent. Ende Juli 2026 ließ die Notenbank den Satz unverändert. Schon damals hatte das Ratsmitglied Hajime Takata 1,25 Prozent beantragt und war überstimmt worden.
Im September fiel die Entscheidung mit 7 zu 2 Stimmen. Toichiro Asada stimmte dagegen, weil die Kerninflation zuletzt unter 2 Prozent gelegen habe und die Wirtschaft nicht eindeutig stark sei. Ayano Sato sah keine wesentliche Beschleunigung von Konjunktur und Preisen. Mit dem Leitzins stieg der Zins auf Guthaben der Banken bei der Notenbank auf 1,25 Prozent, der Basiszins für Notenbankkredite auf 1,5 Prozent.
Die Begründung leitet die BoJ aus ihrem Inflationsziel von 2 Prozent ab. Die Verbraucherpreise ohne frische Lebensmittel stiegen zuletzt um 1,5 bis 2,0 Prozent zum Vorjahr, die zugrunde liegende Teuerung nähere sich der Zielmarke. Unternehmen geben Lohnerhöhungen an ihre Kunden weiter, Importpreise ziehen an, und die mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen steigen. Für die zweite Hälfte des Fiskaljahres 2026, also ab Oktober, erwartet die Notenbank eine Teuerung klar über 2 Prozent. Als Gründe nennt sie die höheren Ölpreise infolge der Lage im Nahen Osten, teurere Halbleiter wegen der weltweiten Nachfrage nach KI-Technik und den schwächeren Yen. Danach soll die Rate wieder in Richtung 2 Prozent sinken. Weitere Zinsschritte stellt die BoJ in Aussicht, sofern sich Wirtschaft und Preise wie erwartet entwickeln. Zeitpunkt und Tempo will sie jeweils abwägen.
Wachstum: ein kleines Plus, getragen vom Außenhandel
Die Wirtschaft, auf die diese Zinswende trifft, wächst nur mäßig. Nach der zweiten vorläufigen Schätzung des Cabinet Office vom 8. September 2026 legte das reale Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu, saisonbereinigt. Aufs Jahr hochgerechnet sind das 1,4 Prozent; die erste Schätzung vom 17. August hatte 0,3 Prozent ergeben. Im ersten Quartal 2026 betrug das Plus 0,5 Prozent, im dritten Quartal 2025 war die Wirtschaft um 0,4 Prozent geschrumpft. Für das Kalenderjahr 2025 weist die Statistik real 1,2 Prozent Wachstum aus, für das Fiskaljahr 2025 (April 2025 bis März 2026) 0,9 Prozent.
Die Komponenten relativieren das Frühjahrsplus. Der private Konsum stagnierte, die Unternehmensinvestitionen sanken um 0,9 Prozent. Die Exporte stiegen um 0,4 Prozent, die Importe fielen um 1,7 Prozent. Rechnerisch steuerte der Außenbeitrag deshalb 0,5 Prozentpunkte zum Wachstum bei, während die Inlandsnachfrage 0,1 Punkte abzog. Sinkende Importe verbessern zwar die Rechnung. Eine kräftige Nachfrage im Inland zeigen sie nicht.
Der Yen und die Verbindung nach Europa
Den Wechselkurs nennt die Notenbank ausdrücklich als Risiko für ihre Prognose. Ein schwacher Yen verteuert importierte Energie und Vorprodukte, Exporteure erlösen dagegen in heimischer Währung mehr. Gegenüber dem Euro hat der Yen über Jahre an Wert verloren. Nach den Referenzkursen der Europäischen Zentralbank kostete ein Euro im Jahresdurchschnitt 2019 rund 122,0 Yen, 2021 rund 129,9 Yen, 2023 rund 152,0 Yen, 2024 rund 163,9 Yen und 2025 rund 169,0 Yen. Am 31. Dezember 2025 lag der Kurs bei 184,09 Yen, am 1. September 2026 bei 185,63 Yen. Seitdem hat der Yen etwas aufgeholt: Am 13. Oktober 2026 betrug der Referenzkurs 176,91 Yen je Euro.
Für Deutschland ist Japan ein mittelgroßer Handelspartner. Nach den vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamts für 2025 erreichte der Warenhandel 43,1 Milliarden Euro, Rang 16 unter allen Partnern. Deutschland lieferte Waren für 21,0 Milliarden Euro nach Japan und bezog Waren für 22,1 Milliarden Euro; daraus ergab sich ein Defizit von rund 1,05 Milliarden Euro. Auf europäischer Ebene gilt seit dem 1. Februar 2019 das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen EU und Japan. Laut EU-Kommission exportierte die EU 2025 Waren für 65,7 Milliarden Euro nach Japan, das damit sechstgrößter Abnehmer war. Im Warenhandel blieb der EU ein Überschuss von 2,4 Milliarden Euro.
Quellen
- Bank of Japan: Change in the Guideline for Money Market Operations, 18.09.2026 (abgerufen am 14.10.2026)
- Bank of Japan: Statement on Monetary Policy, 31.07.2026 (abgerufen am 14.10.2026)
- Bank of Japan: Change in the Guideline for Money Market Operations, 16.06.2026 (abgerufen am 14.10.2026)
- Bank of Japan: Change in the Guideline for Money Market Operations, 19.12.2025 (abgerufen am 14.10.2026)
- Bank of Japan: Change in the Guideline for Money Market Operations, 24.01.2025 (abgerufen am 14.10.2026)
- Bank of Japan: Change in the Guideline for Money Market Operations, 31.07.2024 (abgerufen am 14.10.2026)
- Bank of Japan: Changes in the Monetary Policy Framework, 19.03.2024 (abgerufen am 14.10.2026)
- Cabinet Office/ESRI: Quarterly Estimates of GDP for April-June 2026 (Second Preliminary Estimates), 08.09.2026 (abgerufen am 14.10.2026)
- Europäische Zentralbank: Euro-Referenzkurs Japanischer Yen (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB Data Portal: Jahresdurchschnitte EUR/JPY (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB Data Portal: Tageskurse EUR/JPY seit 31.12.2025 (abgerufen am 14.10.2026)
- Statistisches Bundesamt: Rangfolge der Handelspartner im Außenhandel 2025 (vorläufige Ergebnisse) (abgerufen am 14.10.2026)
- Europäische Kommission: EU trade relations with Japan (abgerufen am 14.10.2026)
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Zahlen nach den genannten Quellen, Stand siehe Datum.