Finanzen

Kann KI ohne Quantencomputer die Blockchain knacken?

Veröffentlicht im Oktober 2026

Ob künstliche Intelligenz die Kryptografie hinter Blockchains wie Bitcoin aushebeln kann, lässt sich mit Fachquellen beantworten. Nach Einschätzung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind die gängigen Public-Key-Verfahren mit klassischen Computern nach heutigem Kenntnisstand nicht zu brechen, und KI läuft auf solchen Computern. Die realen Risiken liegen woanders, langfristig vor allem bei Quantencomputern. Angriffsdetails nennt der Beitrag bewusst nicht. Stand: Oktober 2026.

Worauf die Sicherheit beruht

Zwei Bausteine tragen die Sicherheit von Bitcoin. Der erste ist die Hashfunktion SHA-256, die das US-Standardisierungsinstitut NIST im Standard FIPS 180-4 festlegt. Eine Hashfunktion erzeugt aus beliebigen Daten einen Fingerabdruck fester Länge. Das Bitcoin-Whitepaper von 2008 nutzt SHA-256 für das Proof-of-Work-Verfahren, mit dem neue Blöcke an die Kette gehängt werden. Der zweite Baustein sind digitale Signaturen. Transaktionen werden laut Bitcoin-Entwicklerdokumentation mit dem Verfahren ECDSA auf der elliptischen Kurve secp256k1 signiert, die im Standard SEC 2 beschrieben ist. Ein privater Schlüssel besteht aus 256 Bit Zufallsdaten.

Beide Verfahren beruhen auf mathematischen Problemen, die als schwer gelten. Das BSI schreibt, die heutige Public-Key-Kryptografie basiere auf der angenommenen Schwierigkeit solcher Probleme. Ein KI-Modell ändert an dieser Rechenlage nichts Grundsätzliches. Bei 256 Bit gibt es 2 hoch 256 mögliche Schlüssel, eine Zahl mit 78 Stellen. Erraten lässt sich ein solcher Schlüssel nicht.

Maschinelles Lernen wird in der Kryptoanalyse durchaus erforscht. Aron Gohr zeigte auf der Konferenz CRYPTO 2019, dass neuronale Netze Angriffe auf eine Version der kleinen Blockchiffre Speck32/64 mit verringerter Rundenzahl verbessern können. Das betrifft eine geschwächte Variante eines anderen Verfahrens, nicht SHA-256 oder ECDSA in voller Stärke. In den für diesen Beitrag geprüften Quellen findet sich kein Beleg dafür, dass KI eines dieser beiden Verfahren gebrochen hätte.

Wo KI die Risiken tatsächlich erhöht

Die realen Gefahren liegen rund um die Mathematik. Das britische National Cyber Security Centre (NCSC) schätzte im Januar 2024, dass KI Erkundung und Social Engineering fast sicher wirksamer und schwerer erkennbar macht. Wer sich so seine Wiederherstellungsphrase entlocken lässt, verliert seine Kryptowerte, ohne dass die Kryptografie gebrochen wurde. Die US-Bundespolizei FBI warnte im Dezember 2024, Kriminelle nutzten generative KI unter anderem für Inhalte betrügerischer Krypto-Investmentseiten, für nachgeahmte Stimmen angeblicher Angehöriger und für Videochats mit vermeintlichen Führungskräften.

Ein zweites Feld sind Programmierfehler. In einer im Dezember 2025 von Anthropic veröffentlichten Studie griffen KI-Agenten Smart Contracts an, also Programme auf Blockchains wie Ethereum, und zwar ausschließlich in Simulationsumgebungen. Bei 405 Verträgen mit früher real ausgenutzten Schwachstellen erzeugten zehn Modelle zusammen für 207 funktionierende Angriffe. In 2.849 kürzlich veröffentlichten Verträgen ohne bekannte Lücken fanden zwei Agenten zwei bis dahin unbekannte Schwachstellen. Die Autoren raten Verteidigern, KI ebenfalls einzusetzen. Wie folgenreich Fehler in der Umsetzung sind, zeigt die Schwachstelle Milk Sad (CVE-2023-39910). Das Wallet-Werkzeug Libbitcoin Explorer erzeugte Schlüssel mit einem ungeeigneten Zufallsgenerator, Angreifer stahlen im Juli 2023 mit diesem und ähnlichen Fehlern große Summen.

Was Quantencomputer bedeuten würden

Anders als KI würden ausreichend große Quantencomputer die mathematische Grundlage direkt treffen. Peter Shor veröffentlichte laut BSI 1994 Quantenalgorithmen, die Faktorisierung und diskrete Logarithmen effizient lösen (arXiv-Fassung von 1995/96). Sobald ein passender Rechner verfügbar ist, würde das der heutigen Public-Key-Kryptografie laut BSI die Grundlage entziehen. Für elliptische Kurven schätzten Martin Roetteler und Kollegen 2017, dass Shors Algorithmus bei einer 256-Bit-Kurve nach ihrer Formel mit höchstens rund 2.330 Qubits auskommt. Für RSA mit 2048 Bit hielt Craig Gidney 2025 weniger als eine Million fehleranfällige Qubits für ausreichend, bei einer Rechenzeit unter einer Woche.

Weniger gravierend ist der Algorithmus von Lov Grover aus dem Jahr 1996, der die Suche unter N ungeordneten Einträgen auf etwa Wurzel aus N Schritte verkürzt. Symmetrische Verfahren einschließlich Hashfunktionen sind laut dem NIST-Entwurf IR 8547 weniger anfällig für Quantenangriffe und müssen bei der Umstellung nicht ersetzt werden. Für Public-Key-Verfahren hat NIST im August 2024 drei Standards der Post-Quanten-Kryptografie veröffentlicht: FIPS 203 (ML-KEM), FIPS 204 (ML-DSA) und FIPS 205 (SLH-DSA). IR 8547 vom November 2024 sieht vor, ECDSA spätestens nach 2035 nicht mehr zuzulassen, bei nur 112 Bit Sicherheitsniveau gilt es schon nach 2030 als veraltet. Das Papier ist weiterhin ein Entwurf. Die Kommentarfrist endete im Januar 2025, eine endgültige Fassung weist die NIST-Seite bislang nicht aus.

Unterm Strich: KI bricht die Kryptografie einer Blockchain nach den vorliegenden Quellen nicht, macht aber Betrug, Täuschung und die Suche nach Programmfehlern effizienter. Die größere langfristige Herausforderung für die Mathematik wären Quantencomputer, und auf sie bereiten sich Standardisierer wie NIST bereits vor.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Zahlen nach den genannten Quellen, Stand siehe Datum.

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