Asien

ASEAN und die EU: wachsendes Handelsdefizit, neue Abkommen

Veröffentlicht im Oktober 2026

Die EU und die Staaten des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN) handelten 2025 nach Angaben der EU-Kommission Waren im Wert von 274,9 Milliarden Euro. Damit ist die Region nach China und den USA der drittgrößte Handelspartner der EU außerhalb Europas. Ein Abkommen mit dem ganzen Verband gibt es nicht, die EU verhandelt Land für Land. 2026 ist sie dabei ein gutes Stück vorangekommen. Stand: Oktober 2026.

Ein großer Partner mit wachsendem Defizit

Zu ASEAN gehören Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, die Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam, seit dem 26. Oktober 2025 außerdem Timor-Leste als elftes Mitglied. Neben dem Warenhandel nennt die Kommission einen Dienstleistungshandel von 139,2 Milliarden Euro im Jahr 2024. Investoren aus der EU hielten 2024 Direktinvestitionen von 363,4 Milliarden Euro in der Region, umgekehrt hatten ASEAN-Investoren 294,1 Milliarden Euro in der EU angelegt.

Die Handelsbilanz ist unausgeglichen, und der Abstand wächst. Nach den Monatsdaten von Eurostat (Datenstand 15. September 2026) exportierte die EU 2025 Waren für rund 95,2 Milliarden Euro in die ASEAN-Staaten und importierte Waren für rund 180,6 Milliarden Euro. Die Summe liegt etwas über der Angabe der Kommission, die einen anderen Datenstand verwendet. 2024 hatten die Exporte rund 94,4 und die Importe rund 165,8 Milliarden Euro betragen. Die Einfuhren stiegen also binnen eines Jahres um knapp 15 Milliarden Euro, die Ausfuhren kaum. Von Januar bis Juli 2026 standen Exporten von 59,9 Milliarden Euro Importe von 122,4 Milliarden Euro gegenüber.

Ein großer Teil davon entfällt auf Vietnam. Laut Kommission ist das Land der größte Warenhandelspartner der EU in der Region: 76 Milliarden Euro im Jahr 2025, Rang 14 weltweit, mit einem Defizit der EU von 51,7 Milliarden Euro. Mit Singapur (47,8 Milliarden Euro) erzielte die EU dagegen einen Überschuss von 12,4 Milliarden Euro. Die deutsche Statistik zeigt dasselbe Muster. Laut der Rangfolge des Statistischen Bundesamts für 2025 war Vietnam mit 22,0 Milliarden Euro Außenhandelsumsatz der größte ASEAN-Partner, vor Malaysia (16,6), Thailand (14,3), Singapur (11,8), Indonesien (7,3) und den Philippinen (6,4 Milliarden Euro). Aus Vietnam bezog Deutschland Waren für 18,2 Milliarden Euro und lieferte nur für 3,8 Milliarden Euro, ein Defizit von 14,4 Milliarden Euro. Mit Singapur blieb ein Überschuss von rund 1,3 Milliarden Euro.

Abkommen Land für Land

2007 hatten EU und ASEAN Verhandlungen über ein Abkommen zwischen beiden Regionen aufgenommen, 2009 setzten sie diese einvernehmlich aus. Seitdem verhandelt die EU mit einzelnen Staaten. In Kraft sind zwei Abkommen: mit Singapur seit dem 21. November 2019, ergänzt um ein Abkommen über den digitalen Handel, das am 7. Mai 2025 unterzeichnet wurde und seit dem 1. Februar 2026 gilt, sowie mit Vietnam seit dem 1. August 2020. Die jeweils dazugehörigen Investitionsschutzabkommen treten erst in Kraft, wenn alle EU-Staaten sie ratifiziert haben.

Indonesien steht als Nächstes an. Die Verhandlungen über ein umfassendes Wirtschaftspartnerschaftsabkommen und ein Investitionsschutzabkommen endeten am 23. September 2025, am 29. Juni 2026 legte die Kommission dem Rat die Vorschläge zur Unterzeichnung vor. Indonesien soll Einfuhrzölle auf 98,5 Prozent der Zolllinien für EU-Waren abschaffen, außerdem werden 221 geografische Herkunftsangaben aus der EU geschützt. Nach der Unterzeichnung muss das Europäische Parlament zustimmen.

Mit den Philippinen gelang im September der Durchbruch. Nach einem Gespräch von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit Präsident Ferdinand Marcos Jr. am 21. September 2026 meldeten EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und Handelsministerin Maria Cristina Aldeguer-Roque eine grundsätzliche Einigung. Die 2015 begonnenen und im März 2024 wiederaufgenommenen Verhandlungen sollen in den kommenden Monaten formell abgeschlossen werden; unterzeichnen will von der Leyen das Abkommen 2027. Thailand nannte im Mai 2026 das Ziel, die seit September 2023 laufenden Gespräche bis Ende 2026 abzuschließen; damals waren 11 von 24 Kapiteln fertig. Mit Malaysia verhandelt die EU seit Januar 2025.

Damit gelten zwei Abkommen, eines wartet auf die Unterzeichnung, eines ist grundsätzlich vereinbart, und zwei Verhandlungen laufen noch. Die Zahlen zeigen, warum die EU dabei vor allem auf Marktzugang drängt: In die Region verkauft sie deutlich weniger, als sie von dort bezieht.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Zahlen nach den genannten Quellen, Stand siehe Datum.

Weitere Artikel zu Asien

Kommentare

Noch keine Kommentare.

Melden Sie sich an oder registrieren Sie sich, um einen Kommentar zu schreiben.