Wie die EZB mit dem Leitzins arbeitet
Veröffentlicht im Oktober 2026
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am 10. September 2026 in Frankfurt beschlossen, seine drei Leitzinssätze um jeweils 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Seit dem 16. September liegt der Einlagesatz bei 2,50 Prozent. Es war die zweite Erhöhung in diesem Jahr. Was die drei Sätze bedeuten und wie sie bei Banken, Unternehmen und Sparern ankommen, erklärt dieser Beitrag. Stand: Oktober 2026.
Drei Zinssätze, ein Auftrag
Den Rahmen setzt Artikel 127 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Vorrangiges Ziel der EZB ist danach Preisstabilität; soweit diese nicht beeinträchtigt wird, unterstützt sie die allgemeine Wirtschaftspolitik in der EU. Konkret strebt die EZB auf mittlere Sicht eine Inflation von 2 Prozent an, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). Das Ziel ist symmetrisch, ein Unterschreiten gilt als ebenso unerwünscht wie ein Überschreiten. Die Zinsbeschlüsse fasst der EZB-Rat, dem die sechs Mitglieder des Direktoriums und die Präsidentinnen und Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Euroraums angehören. Über die Geldpolitik entscheidet er alle sechs Wochen.
Einen einzigen Leitzins gibt es nicht. Die EZB legt drei Sätze fest:
- Einlagefazilität: Diesen Zins erhalten Banken, wenn sie Geld bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank anlegen. Über ihn steuert der EZB-Rat derzeit seinen geldpolitischen Kurs, die kurzfristigen Geldmarktzinsen sollen sich in seiner Nähe bewegen.
- Hauptrefinanzierungsgeschäfte: Zu diesem Satz können sich Banken für eine Woche Geld bei der Zentralbank leihen.
- Spitzenrefinanzierungsfazilität: Der höchste der drei Sätze. Er gilt, wenn Banken sich Geld bis zum nächsten Geschäftstag beschaffen.
Wie eine Zinsänderung wirkt
Privatleute leihen sich kein Geld bei der EZB. Ihre Beschlüsse wirken über die Geldmarktzinsen und, wie die EZB es beschreibt, indirekt über die Kredit- und Einlagezinsen, die Banken ihren Kundinnen und Kunden anbieten. Steigen die Zinsen, lohnt es sich weniger, Konsum oder Investitionen auf Kredit zu finanzieren. Banken können außerdem vorsichtiger Kredite vergeben. Sinkt dadurch die Nachfrage im Verhältnis zum Angebot, lässt der Preisdruck nach. Bei niedrigeren Zinsen läuft der Mechanismus in die andere Richtung.
Wann und wie stark das geschieht, lässt sich kaum vorhersagen. Die EZB spricht selbst von langen, variablen und unsicheren Verzögerungen. Aus diesem Grund richtet sie ihre Entscheidungen an Projektionen für die kommenden Jahre aus und nicht am letzten Monatswert. Für Sparer und Kreditnehmer heißt das auch: Die Konditionen legt jede Bank selbst fest, eine Leitzinsänderung kommt nicht automatisch sofort und in voller Höhe an.
Die Beschlüsse von 2026 und wie es weitergeht
Seit dem 16. September 2026 gelten 2,50 Prozent für die Einlagefazilität, 2,65 Prozent für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte und 2,90 Prozent für die Spitzenrefinanzierungsfazilität. Bereits mit Wirkung vom 17. Juni 2026 hatte die EZB die Sätze von 2,00, 2,15 und 2,40 Prozent auf 2,25, 2,40 und 2,65 Prozent erhöht. Davor waren sie seit Juni 2025 unverändert geblieben, nach einer Reihe von Senkungen ab Juni 2024.
Ihre Entscheidung vom September begründet die EZB mit dem Konflikt im Nahen Osten, der weiterhin Inflationsdruck erzeuge. Die Inflation dürfte nach ihrer Einschätzung für längere Zeit deutlich über dem Ziel bleiben. Die Fachleute der Notenbank rechnen im Basisszenario mit 3,0 Prozent Inflation für 2026, 2,5 Prozent für 2027 und 2,1 Prozent für 2028. Ohne Energie und Nahrungsmittel erwarten sie 2,5, 2,6 und 2,3 Prozent. Für das Wachstum im Euroraum nennen sie 0,9 Prozent (2026), 1,4 Prozent (2027) und 1,5 Prozent (2028). Die Daten seither sprechen nicht für Entspannung: Laut Schnellschätzung von Eurostat lag die Inflation im Euroraum im September 2026 bei 3,8 Prozent, in Deutschland nach Destatis bei 3,3 Prozent.
Die nächste geldpolitische Sitzung ist laut EZB-Kalender am 28. und 29. Oktober 2026 in Frankfurt angesetzt, mit Pressekonferenz am zweiten Tag. Eine weitere folgt am 16. und 17. Dezember. Eine Festlegung für diese Termine gibt es nicht. Die EZB will von Sitzung zu Sitzung und abhängig von der Datenlage entscheiden.
Quellen
- EZB: Geldpolitische Beschlüsse vom 10. September 2026 (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB: Key ECB interest rates (Zinstabelle) (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB: Geldpolitik, Einführung (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB: Geldpolitische Strategie (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB: Was ist der Zinssatz für die Einlagefazilität? (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB: Transmissionsmechanismus der Geldpolitik (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB: Der EZB-Rat (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB: Sitzungskalender des EZB-Rats (abgerufen am 14.10.2026)
- Eurostat: Euro area annual inflation up to 3.8% (Schnellschätzung vom 02.10.2026) (abgerufen am 14.10.2026)
- Destatis: Inflationsrate im September 2026 bei +3,3 % (Pressemitteilung vom 13.10.2026) (abgerufen am 14.10.2026)
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