Inflation verstehen: Verbraucherpreisindex (VPI) und HVPI
Veröffentlicht im Oktober 2026
Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im September 2026 um 3,3 Prozent über dem Vorjahresmonat. Das hat das Statistische Bundesamt (Destatis) am 13. Oktober 2026 bestätigt, für den Euroraum schätzt Eurostat die Rate auf 3,8 Prozent. Hinter beiden Zahlen stehen zwei verschiedene Messgrößen, der nationale Verbraucherpreisindex (VPI) und der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI). Stand: Oktober 2026.
Ein Warenkorb, zwei Indizes
Der VPI bildet nach Destatis die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen ab, die private Haushalte in Deutschland für Konsumzwecke kaufen. Dafür beobachtet das Amt einen Warenkorb aus rund 700 Güterarten. Ein Wägungsschema legt fest, mit welchem Anteil jede Gruppe in den Gesamtindex eingeht. Was einen großen Teil der Ausgaben ausmacht, bewegt den Index also stärker als ein selten gekauftes Produkt. Die Inflationsrate ist die Veränderung dieses Index gegenüber dem Vorjahresmonat. Der VPI hat derzeit das Basisjahr 2020 und wird oft in Verträgen genutzt, um langfristige Zahlungen wie Mieten oder Unterhalt anzupassen.
Der HVPI dient einem anderen Zweck. Er soll Preisänderungen zwischen den EU-Staaten vergleichbar machen, und die Europäische Zentralbank (EZB) beurteilt mit ihm die Preisstabilität im Euroraum. Ihr Ziel liegt bei 2 Prozent auf mittlere Sicht, gemessen am HVPI, und es ist symmetrisch: Abweichungen nach oben und nach unten gelten als gleich unerwünscht. Von seinem nationalen Gegenstück unterscheidet sich der HVPI laut Destatis im Erfassungsbereich, in der Methodik und in der Gewichtung. Seit Januar 2026 gilt für ihn zudem eine neue Klassifikation (ECOICOP Version 2), Glücksspiele sind neu erfasst, und er wird auf der Basis 2025 = 100 ausgewiesen. Beide Indizes können deshalb im selben Monat auseinanderliegen. Im September 2026 war das für Deutschland nicht der Fall, beide stiegen um 3,3 Prozent.
Was die Teuerung im September 2026 trieb
Die Rate ist in den vergangenen Monaten gestiegen: von 2,8 Prozent im Juli über 2,9 Prozent im August auf 3,3 Prozent im September. Destatis-Präsidentin Ruth Brand sprach von einem neuen Jahreshöchststand und dem höchsten Wert seit Dezember 2023. Gegenüber August stiegen die Preise um 0,6 Prozent.
Den größten Anteil daran hatte die Energie. Energieprodukte kosteten 14,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, so viel wie zuletzt im Februar 2023. Innerhalb dieser Gruppe gingen die Entwicklungen aber weit auseinander:
- Kraftstoffe: plus 37,1 Prozent
- leichtes Heizöl: plus 74,9 Prozent
- Strom: minus 5,5 Prozent
- Erdgas: minus 2,8 Prozent
Nahrungsmittel verteuerten sich nur um 0,4 Prozent, Dienstleistungen um 2,7 Prozent, die Nettokaltmieten um 1,9 Prozent. Destatis verweist auf den Preisauftrieb am Rohölmarkt seit Beginn des Iran-Kriegs, der sich bei den Energiepreisen niedergeschlagen habe. Wie stark der Abstand zwischen Energie und dem Rest ist, zeigt die Rate ohne Nahrungsmittel und Energie, oft Kerninflation genannt. Sie lag im Juli, August und September unverändert bei 2,4 Prozent, ohne Energie allein bei 2,1 Prozent.
Im Euroraum sieht das Muster ähnlich aus. Nach der Schnellschätzung von Eurostat vom 2. Oktober 2026 stieg die Inflation von 3,2 Prozent im August auf 3,8 Prozent im September. Energie verteuerte sich um 18,8 Prozent (August: 14,3 Prozent), Dienstleistungen um 3,2 Prozent, Lebensmittel, Alkohol und Tabak um 1,4 Prozent, Industriegüter ohne Energie um 1,1 Prozent. Es handelt sich um eine Vorabschätzung, die Eurostat später durch endgültige Werte ersetzt.
Wie die Zahlen einzuordnen sind
Deutschland und der Euroraum liegen damit über dem Zielwert der EZB. Die Notenbank hat ihre Leitzinsen 2026 zweimal angehoben, mit Wirkung vom 17. Juni und vom 16. September, und den zweiten Schritt mit dem Inflationsdruck aus dem Konflikt im Nahen Osten begründet. Ihre Fachleute erwarten für 2026 im Durchschnitt 3,0 Prozent Inflation im Euroraum.
Für den eigenen Geldbeutel ist die Rate nur ein Durchschnitt über den Warenkorb. Wer viel tankt oder mit Heizöl heizt, ist von der aktuellen Entwicklung stärker betroffen als ein Haushalt, dessen Ausgaben vor allem auf Miete und Strom entfallen. Strom war im September sogar günstiger als ein Jahr zuvor.
Quellen
- Destatis: Inflationsrate im September 2026 bei +3,3 % (Pressemitteilung Nr. 364 vom 13.10.2026) (abgerufen am 14.10.2026)
- Destatis: Verbraucherpreisindex und Inflationsrate (abgerufen am 14.10.2026)
- Destatis: Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) (abgerufen am 14.10.2026)
- Eurostat: Euro area annual inflation up to 3.8% (Schnellschätzung vom 02.10.2026) (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB: Geldpolitische Strategie (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB: Geldpolitische Beschlüsse vom 10. September 2026 (abgerufen am 14.10.2026)
- EZB: Key ECB interest rates (abgerufen am 14.10.2026)
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