USA

US-Notenbank Fed: Doppelmandat, Leitzinsspanne und der Unterschied zur EZB

Veröffentlicht im Oktober 2026

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am 16. September 2026 ihren Leitzins erhöht. Ihr Offenmarktausschuss FOMC setzte die Zielspanne für die Federal Funds Rate um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent herauf. Eine Woche zuvor, am 10. September, hatte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte angehoben. Beide begründen den Schritt mit zu hoher Inflation. Auftrag, Instrumente und Gremien der beiden Notenbanken unterscheiden sich aber deutlich.

Ein Auftrag mit zwei Zielen

Der US-Kongress hat der Fed zwei Ziele vorgegeben: maximale Beschäftigung und stabile Preise. Die Fed nennt das ihr Doppelmandat. Unter maximaler Beschäftigung versteht sie das höchste Beschäftigungsniveau, das die Wirtschaft bei stabilen Preisen dauerhaft halten kann. Als stabil gelten Preise, wenn Haushalte und Unternehmen bei ihren Plänen nicht befürchten müssen, dass Kosten deutlich steigen oder fallen. Konkret strebt das FOMC auf längere Sicht eine Inflationsrate von 2 Prozent an, gemessen an der jährlichen Veränderung des Preisindex der privaten Konsumausgaben (PCE).

Bei der EZB ist die Rangfolge anders. Nach Artikel 127 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU ist Preisstabilität ihr vorrangiges Ziel. Die allgemeine Wirtschaftspolitik in der EU unterstützt sie nur, soweit das die Preisstabilität nicht beeinträchtigt. Auch die EZB zielt auf 2 Prozent Inflation, mittelfristig und gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für den Euroraum.

Wer entscheidet und mit welchem Instrument

Das FOMC hat zwölf stimmberechtigte Mitglieder. Dazu gehören die sieben Mitglieder des Board of Governors in Washington und der Präsident der Federal Reserve Bank of New York. Hinzu kommen vier der übrigen elf Präsidenten regionaler Reserve Banks, die jeweils für ein Jahr im Wechsel abstimmen. Vorsitzender ist laut der Fed derzeit Kevin Warsh. Regulär tagt das Gremium achtmal im Jahr.

Einen einzelnen Leitzins nennt die Fed nicht, sondern eine Zielspanne für die Federal Funds Rate. Das ist der Satz, zu dem sich Banken untereinander über Nacht Reserveguthaben leihen. Die EZB legt dagegen drei Sätze fest. Seit dem 16. September 2026 gelten 2,50 Prozent für die Einlagefazilität, 2,65 Prozent für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte und 2,90 Prozent für die Spitzenrefinanzierungsfazilität. Darüber entscheidet der EZB-Rat. Ihm gehören die sechs Mitglieder des Direktoriums und die Präsidentinnen und Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Euroraums an, geldpolitische Beschlüsse fasst er alle sechs Wochen.

Der Stand im Herbst 2026

In ihrer Erklärung vom 16. September beschreibt die Fed eine Wirtschaft, die in solidem Tempo wächst. Die Unsicherheit sei unter anderem wegen geopolitischer Entwicklungen weiter hoch, die Inlandsnachfrage habe sich aber als robust erwiesen. Der Stellenaufbau halte mit dem Arbeitskräfteangebot Schritt, die Arbeitslosenquote habe sich kaum verändert. Die Inflation bleibe jedoch erhöht. Die Zinserhöhung soll laut Erklärung eine zügigere Rückkehr zum 2-Prozent-Ziel unterstützen. Das FOMC beschloss sie mit 12 zu 0 Stimmen.

Die EZB verweist in ihrem Beschluss auf den Konflikt im Nahen Osten, der weiterhin Inflationsdruck erzeuge. Ihre Fachleute erwarten im Basisszenario für den Euroraum eine Inflation von durchschnittlich 3,0 Prozent im Jahr 2026, 2,5 Prozent 2027 und 2,1 Prozent 2028.

Dass die Fed-Spanne deutlich über dem Einlagesatz der EZB liegt, sagt für sich genommen nichts darüber, welche Notenbank richtig handelt. Beide reagieren auf eigene Wirtschaftsräume mit eigener Inflations- und Arbeitsmarktlage, und die Begründungen stehen in den Erklärungen im Original. Die nächsten Termine sind angesetzt: Das FOMC tagt am 27. und 28. Oktober sowie am 8. und 9. Dezember 2026, der EZB-Rat entscheidet am 29. Oktober und am 17. Dezember erneut über die Geldpolitik. Eine Einschätzung zur künftigen Zinsentwicklung enthält dieser Beitrag nicht. Stand: Oktober 2026.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Zahlen nach den genannten Quellen, Stand siehe Datum.

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