Politik

Frühstartrente: Bundestag will die Kinder-Altersvorsorge beschließen

Veröffentlicht im Oktober 2026

Der Bundestag will am Freitag, 16. Oktober 2026, abschließend über die Einführung einer Frühstartrente beraten. Laut dem geplanten Ablauf der Plenarsitzungen, den die Bundestagsverwaltung am 13. Oktober veröffentlicht hat, sind dafür 60 Minuten ab 9 Uhr vorgesehen. Grundlage ist der Gesetzentwurf der Bundesregierung (Drucksache 21/7864). Ob und in welcher Fassung das Gesetz beschlossen wird, entscheidet sich erst in der Sitzung. Stand: Oktober 2026.

Zehn Euro im Monat ab dem sechsten Geburtstag

Nach dem Entwurf zahlt der Staat für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren 10 Euro pro Monat in ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot ein. Den Vertrag schließen die Eltern bei einem Anbieter ab. Den Anfang macht der Geburtsjahrgang 2020, also die Kinder, die 2026 sechs Jahre alt werden. Ab 2027 kommt jedes Jahr ein neuer Jahrgang hinzu. Für ältere Kinder unter 18 dürfen ebenfalls Verträge geschlossen werden, allerdings ohne Geld vom Staat.

Eltern oder andere Personen können bis zu 6.840 Euro im Jahr zusätzlich einzahlen. Die Erträge bleiben bis zur Auszahlung steuerfrei, und ausgezahlt wird grundsätzlich nicht vor dem 65. Geburtstag. Abschluss- und Vertriebskosten dürfen Anbieter bis zur Volljährigkeit nicht verlangen. Schließen Eltern keinen Vertrag ab, legt der Staat die zehn Euro gesammelt am Kapitalmarkt an; das dafür vorgesehene Sondervermögen des Bundes soll zum 1. Januar 2028 entstehen. Den Bundeshaushalt kostet die Förderung laut Entwurf 198 Millionen Euro im Jahr 2027, bis 2030 steigt der Betrag auf 411 Millionen Euro.

Zur Größenordnung: Zwölf Jahre lang zehn Euro im Monat ergeben 1.440 Euro staatliche Einzahlungen pro Kind, vor Erträgen. Was daraus bis zum Rentenalter wird, hängt von der Wertentwicklung über Jahrzehnte ab. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) nannte in der ersten Lesung am 25. September einen möglichen Betrag von 160.000 Euro zum Renteneintritt. Er ging dabei davon aus, dass die Eltern monatlich 20 Euro dazugeben. Die Zahl ist ein Rechenbeispiel aus der Debatte, keine Zusage.

Zustimmung im Grundsatz, Streit über die Details

Klingbeil warb in der ersten Lesung für ein „digitales Familiensparbuch“. Mathias Middelberg (CDU/CSU) sprach von einem Meilenstein. Für die Grünen nannte Stefan Schmidt die Idee gut, die Umsetzung aber misslungen: Dass ältere Kinder leer ausgehen, sei ungerecht, und der Spielraum für private Zuzahlungen sei zu groß. Lisa Schubert (Linke) lehnte den Entwurf als „private Kundenakquise auf Staatskosten“ ab. Iris Nieland (AfD) hielt zehn Euro im Monat für völlig unzureichend. Anschließend ging der Entwurf federführend an den Finanzausschuss.

Dessen öffentliche Anhörung am 5. Oktober zeigte ein ähnliches Bild. Die Deutsche Kreditwirtschaft lobte das Angebot als einfach, transparent und bürokratiearm. Der Fondsverband BVI begrüßte die Verzahnung mit der Reform der privaten Altersvorsorge. Beide wandten sich aber gegen das Kostenverbot; der BVI warnte, es erschwere den Zugang zu Beratung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hielt die Zuzahlungsgrenze von 6.840 Euro für zu hoch, weil sie bestehende Vermögensunterschiede verstärken könne. Die Ökonomin Ulrike Malmendier (UC Berkeley) sah in der Frühstartrente einen innovativen Schritt zur Finanzbildung durch eigene Erfahrung. Zwei Sachverständige aus der Bildungswissenschaft hielten dagegen, Produktinformation sei noch keine Finanzbildung.

Auch der Bundesrat hatte Änderungen verlangt, unter anderem keine Steuervorteile für private Einzahlungen in einen zweiten Vertrag. Laut dem Portal Ihre Vorsorge der Deutschen Rentenversicherung hat die Bundesregierung diesen Vorschlägen in ihrer Antwort zugestimmt.

Wie es weitergeht

Stimmt der Bundestag am 16. Oktober zu, ist danach noch einmal der Bundesrat am Zug. Wie dieses Verfahren abläuft, beschreibt der Beitrag Wie ein Bundesgesetz entsteht. Erste Ausgaben sind im Bundeshaushalt für 2027 eingeplant. Für Kinder ohne eigenen Vertrag beginnt die gesammelte Anlage erst mit dem Sondervermögen im Jahr 2028.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Zahlen nach den genannten Quellen, Stand siehe Datum.

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