Wirtschaft

IWF hebt Wachstumsprognose für Deutschland auf 1,3 Prozent an

Veröffentlicht im Oktober 2026

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat am 13. Oktober 2026 seine Prognose für Deutschland angehoben. In seinem neuen Weltwirtschaftsausblick, vorgelegt zur Jahrestagung in Bangkok, erwartet der Fonds für das laufende Jahr ein Wachstum von 1,3 Prozent. Damit zieht der IWF mit den deutschen Forschungsinstituten gleich, die ihre Herbstprognose kurz zuvor ähnlich deutlich nach oben gesetzt hatten.

Warum die Erwartungen steigen

Ausschlaggebend sind die staatlichen Ausgabenprogramme. Der im Koalitionsvertrag angelegte Investitionskurs, das Sondervermögen für Infrastruktur und die höheren Verteidigungsausgaben schaffen zusätzliche Nachfrage, die in der Bauwirtschaft und bei Ausrüstern ankommt. Nach zwei schwachen Jahren wirkt das wie ein Anschub. Die Gemeinschaftsdiagnose der führenden Institute vom 24. September trägt den Titel Aufschwung mit Strukturproblemen und beschreibt damit genau die Spannung, die auch der Fonds sieht.

Hintergrund ist eine lange Schwächephase. In den beiden Vorjahren war die deutsche Wirtschaft kaum vom Fleck gekommen und zeitweise sogar geschrumpft. Vor dieser Kulisse wirkt schon eine moderate Belebung wie eine Wende. Die zusätzlichen Mittel stammen überwiegend aus dem 2025 beschlossenen Finanzpaket, mit dem Bund und Länder höhere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung ermöglicht haben. Ökonomen mahnen jedoch, dass staatlich finanziertes Wachstum die Wettbewerbsfähigkeit nicht ersetzt.

Denn die Erholung steht auf wackligen Beinen. Im zweiten Quartal 2026 lag die Wirtschaftsleistung nur rund ein Prozent über dem Vorjahr. Der IWF verbindet seine höhere Zahl deshalb ausdrücklich mit einer Warnung vor Abwärtsrisiken. Schwache Produktivität, eine alternde Belegschaft, hohe Energiekosten und ein zäher Bürokratieabbau bremsen das Potenzial. Das Wachstum kommt vorerst aus dem Staatshaushalt, nicht aus einer breiten Belebung der Privatwirtschaft. Ohne stärkere private Investitionen, so der Tenor der Fachleute, bleibt der Aufschwung anfällig.

Was das bedeutet

Für die Bundesregierung ist die Prognose Rückenwind und Mahnung zugleich. Ein Plus von 1,3 Prozent fällt nach der langen Stagnation ins Gewicht, zumal es sowohl vom Fonds als auch von den Instituten getragen wird. Ob daraus ein dauerhafter Aufschwung wird, hängt davon ab, ob die Milliarden tatsächlich in produktive Investitionen fließen und nicht in höhere Preise. Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland damit kein Zugpferd, holt aber immerhin den Rückstand zu schneller wachsenden Nachbarn ein Stück weit auf. Entscheidend wird das kommende Jahr, wenn sich zeigt, ob die Nachfrage aus den staatlichen Programmen in eine selbsttragende Erholung übergeht. Wie Wachstum überhaupt gemessen wird, erklären wir in unserem Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt; zur jüngsten Teuerung passt der Text zur Inflation im September. Stand: Oktober 2026.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Zahlen nach den genannten Quellen, Stand siehe Datum.

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